12.30: Noor Abed, Workshop: gemeinsames Lesen und Besprechen von ausgewählten Texten ausgehend von der künstlerischen Praxis von Noor Abed.
(In englischer Sprache, begrenzte Platzzahl, Anmeldung: info@kunsthausglarus.ch)
14.00: Stas Shärifulla, Soundperformance "Tawźıñ körhönöüe"
15.00: Rebecca Solari, Performance "La Gigantessa
Im Anschluss Alpkäse und Brot.
Die Passhöhe ist von Linthal (GL) und von Altdorf (UR) mit dem Bus zu erreichen. Auf der Passhöhe und beim Hotel Klausenpass sind zudem Parkplätze vorhanden. Die Veranstaltungen sind so gelegt, dass eine Rückreise mit dem öffentlichen Verkehr möglich ist. Der Bus fährt um 10.25 Uhr ab Linthal, Bahnhof auf die Passhöhe. Der letzte Bus fährt um 16.44 nach Linthal, Bahnhof.
Die Veranstaltung ist kostenlos. Findet nur bei guter Witterung statt.
Noor Abed (*1988 in Jerusalem, lebt und arbeitet in Amsterdam und Ramallah) untersucht in ihren Recherchen, wie Landschaft verwoben ist mit Ritualen, Praktiken von Widerstand, kollektiven Erinnerungen, Klängen oder Geschichten. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Performance und Film und schafft Werke, in denen soziale Möglichkeiten zugleich erprobt und performativ umgesetzt werden. Sie untersucht darin Choreografie, kollektive Formationen und soziale Dynamiken und verbindet dabei inszenierte mit dokumentarischen Formen. In der Ausstellung zeigt Noor Abed den Film "A Night We Held Between" (2024), den sie an antiken Stätten in Palästina gedreht hat – in Höhlen, unterirdischen Gängen oder in wilden, zerklüfteten Tälern. In den choreografisch inszenierten, teilweise auch rhythmischen und kollektiven Wiederholungen erzeugt Noor Abed das eindringliche Bild einer Gemeinschaft, die jahrhundertealte Traditionen in die Gegenwart und in die Zukunft trägt und sich daraus ihrer Verbindung zum Land und ihrem Recht auf Widerstand vergewissert. Zugleich schafft die Künstlerin so eine Art Erinnerungslandschaft und erinnert auch uns daran, dass sich unter der steinigen Oberfläche der Hügel oder Berge uralte Geschichten, ja eine Welt, befinden.
Rebecca Solari (*1996 in Blenio, lebt und arbeitet in Biel/Bienne), die im Tessiner Bleniotal (also unmittelbar auf der anderen Seite des Gotthards) aufgewachsen ist, setzt sich in ihren Performances mit den Legenden, Traditionen (etwa dem Carnevale, der Fasnacht) und Klängen aus dieser Landschaft auseinander und dekonstruiert und rekontextualisiert sie mit grosser, auch explosiver Lust. Sie verwendet Wörter aus ihrem Tessiner Dialekt und mischt diesen in ihren Gesängen mit Französisch und Englisch. Akustisch nimmt sie Bezug auf Punk, Jodel, Oper oder Techno. Ihre Performances sind von lauten Antiheld:innen, von Blitzen (sie nennt eine ihrer Kunstfigur ‹Fulmine›, also Blitz) oder von Vulkanen bevölkert und sie erzählt Geschichten, die aus der brodelnden Ursuppe (die sie Minestrone nennt) stammen. Auf dem Klausenpass steigt Rebecca Solari als "La Gigantessa" (die Riesin) aus dem Rauch empor, mit gigantischen Füssen – diese sind derzeit in Glarus und Altdorf ausgestellt – und einer sieben Meter langen, flatternden Hose. Die Riesin will, so die Künstlerin, die Menschen auf eine neue Art mit der Landschaft um sie herum verbinden. Dabei erzählt die Gigantin von den Realitäten der vier Sprachregionen in der Schweiz, von den politischen Ambivalenzen (beispielsweise die heraufbeschworene heile Welt der Berge und die Realität der Schweiz als Depot für alle Arten von unsauberem Geld) und von ihrer eigenen, vielleicht auch doppeldeutigen Existenz als fluides, ein bisschen unheimliches und ein bisschen liebevolles Bergwesen mit übergrossen Füssen.
Stas Shärifulla (*1984 in Sibirien, lebt und arbeitet in Basel) ist ein Künstler und Forscher, der mit Sound und Listening arbeitet. Geboren und aufgewachsen in Ostsibirien und mit Yılan-Bashqort-Abstammung (den Baschkiren des Elan-Stammes), erforscht er die auditive Natur autochthoner Kulturen Nord- und Zentralasiens, in denen Hören und Klang historisch bedeutsamer waren als das Schreiben. Dabei interessiert ihn, inwiefern indigenes Wissen in der ehemaligen Sowjetunion und darüber hinaus historisch unterworfen und verzerrt wurde und mit welchen Mitteln dies rückgängig gemacht werden kann. Die Reduktion von indigenem Wissen auf exotische Museumsartefakte – u.a. bei Musikinstrumenten wie Flöten – ist ein solches Beispiel. Für das Festival auf dem Klausenpass am 4. Juli lädt Stas Shärifulla den Berg ein, seinen т та ау уы ыш ш/tawısh zu offenbaren, ein Wort, das unabhängig vom Kontext sowohl ‹Stimme› als auch ‹Klang› bedeutet. Mithilfe verschiedener Flöten, etwa der quray und der tashtawıq (Steinhuhn), ruft der Künstler den Berg an, um Steine und Felsen in Schwingung zu versetzen und auf seine Antwort (Echo) zu warten. Ob der Klausen Bashqort versteht, wird sich im Lauf der Performance zeigen, so der Künstler.